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Rebecca Horner feiert Bühnen-Comeback

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9 min
Rebecca Horner

Rebecca Horner

©Emma Hartvig
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Rebecca Horner öffnet ein neues Kapitel: Nach ihrer dritten Babypause bringt sie jetzt auch eigene Choreografien auf die Bühne.

Die große Bühne hat ihr gefehlt, doch im letzten Jahr hat Rebecca Horner, 36, auch die Lust an kleineren Auftritten entdeckt. Die Solotänzerin des Wiener Staatsballetts hat nach einer Auszeit im Ausland („Ich hatte das Gefühl, auf der Stelle zu treten“) und der Geburt ihres dritten Kindes im Dezember 2023 erste Soloprojekte gestartet. Wir treffen die Künstlerin in der Imperial Riding School im 3. Wiener Gemeindebezirk. Bei der Eröffnung des Hotels im vergangenen Herbst hat Horner hier eine ihrer eigenen Choreografien präsentiert. Am 22. Februar wurde das exklusive Gästehaus zum Schauplatz eines weiteren außergewöhnlichen Kunstprojekts: Rebecca Horner und ihr Mann Andrey Kaydanovskiy zeigten ihr selbst inszeniertes Stück „BEEF“ erstmals in Wien. Es geht darin um „das Verlangen nach Aufmerksamkeit, das Spiel der Emotionen – wie Eifersucht, Wut und Rache –, das Duellieren um Menschen und Werte“. Das Tanzevent sollte auch „Beitrag zu einer gesellschaftlichen Diskussion“ sein, so die Künstlerin, die seit über 30 Jahren tanzt.

Ihr persönliches Wachstum war für die 36-Jährige dabei immer ein zentrales Thema, deshalb hat sie sich vor ihrer dritten Schwangerschaft ein „notwendiges“ Sabbatical genommen, um in einer internationalen Kompanie wieder die Freude an neuen tänzerischen Ausdrucksweisen zu spüren ...

WOMAN: 

Im Sommer 2022 sind Sie für ein Engagement am Netherlands Dance Theater für ein Jahr in die Niederlande gezogen. War das ein schwieriger Schritt für Sie?

Rebecca Horner: 

Ich habe an der Wiener Staatsoper bewusst ein Sabbatical genommen, um mich in einer neuen Umgebung weiterentwickeln zu können. Meine Familie ist in Wien geblieben, weil wir erst einmal schauen wollten, wie sich alles entwickelt. Die Zeit war wahnsinnig aufregend und inspirierend für mich, ich hätte es aber nicht gemacht, wenn mein Mann nicht zugestimmt und ich nicht gewusst hätte, dass unsere Kinder (12 & 5) währenddessen gut versorgt sind.

WOMAN: 

Wie haben Sie die Balance zwischen Ihrer beruflichen Selbstverwirklichung und der Trennung von Ihrer Familie empfunden?

Rebecca Horner: 

Es war für mich die einzig richtige Entscheidung, und nachdem ich das Go von meinem Mann hatte, war klar, dass ich es unbedingt machen muss. Ich war damals in einer Situation, in der ich einfach nicht mehr glücklich war und etwas anderes erleben wollte. Ich tanze seit über 30 Jahren und bin seit 17 Jahren an der Wiener Staatsoper, da stellt sich natürlich ein Alltagstrott ein. Diese Phasen kennt bestimmt jeder. Irgendwann habe ich gemerkt: Ich bin bei der Arbeit nicht mehr zufrieden – mit den Rollen, für die ich besetzt wurde, aber auch wie ich mich künstlerisch entwickelt habe. Ich hatte das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Das hat mich nervös gemacht, weil ich auch weiß, dass die Jahre auf der Bühne begrenzt sind. Also habe ich den Resetknopf gedrückt. Als ich die Möglichkeit bekommen habe, zum Netherlands Dance Theater zu gehen, hat das wieder ein Feuer in mir entfacht. Die Leidenschaft treibt mich an. Es ist eine zeitgenössische Kompanie mit einem komplett anderen Repertoire und einer ganz anderen Arbeitsweise.

WOMAN: 

Was haben Sie dort über sich gelernt?

Rebecca Horner: 

Es hat meinen Horizont total erweitert. Und nachdem ich mit Ruby ja sehr früh Mutter geworden bin, hatte ich auch zum ersten Mal die Zeit und Ruhe, um in mich zu gehen und mir zu überlegen: Wer möchte ich eigentlich sein? Es ist so wichtig, einmal irgendwo eine Fremde, eine Ausländerin zu sein, die Sprache nicht zu sprechen, nicht dazuzugehören und zu verstehen, was das bedeutet. Ich glaube, dass wir auch gesellschaftlich sehr viel reflektierter wären, wenn jeder diese Erfahrung machen würde.

Irgendwann kommt der Tag, an dem ich die Oper verlassen muss. Das ist okay, der Gedanke daran macht mir jetzt keine Angst mehr.

Rebecca Horner
WOMAN: 

Nach Ihrem Sabbatical ist Ihr drittes Kind auf die Welt gekommen. Wie fühlt es sich jetzt an, nach der Geburt wieder für das große Comeback an der Wiener Staatsoper zu proben?

Rebecca Horner: 

Es war meine einfachste Rückkehr. Davor habe ich mir natürlich viele Gedanken gemacht, ob mein Körper das wieder so gut schafft und so schnell wieder funktioniert, aber ich hatte total Lust darauf, mich wieder zu bewegen und zu arbeiten. Ich war dieses Mal aber auch am entspanntesten, das spielt eine große Rolle.

WOMAN: 

Bei Ihrer ersten Tochter Ruby waren Sie 22 und hatten Sorgen, dass Ihre Karriere jetzt zu Ende sein könnte …

Rebecca Horner: 

Nach der ersten Geburt war es ein Kampf – nichts hat so funktioniert, wie ich es gewohnt war. Damals habe ich ein Monat lang jeden Tag trainiert, erst dann hat sich der Schalter umgelegt. Wenn du Anfang 20 bist, denkst du, Tanzen ist dein Leben. Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem mir klar ist, dass es nicht das Ende der Welt ist, wenn ich irgendwann nicht mehr auf der Bühne stehe. Im klassischen Ballett bist du mit 40 alt, aber das Leben geht trotzdem weiter, und ich habe gelernt, mich für das, was danach ist, zu öffnen. Ich weiß: Irgendwann kommt der Tag, an dem ich die Oper verlassen muss. Das ist okay, der Gedanke daran macht mir jetzt keine Angst mehr. Es geht weiter, und ich kann mich auch weiterhin mit meiner größten Leidenschaft beschäftigen. Mein Mann ist Choreograf, und ich will auch mehr in diese Richtung arbeiten. Ich habe Spaß gefunden daran, mich dabei kreativ ausleben zu können.

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Rebecca Horner

Während ihres Sabbaticals am Netherlands Dance Theater hat die Solotänzerin des Wiener Staatsballetts neue Impulse gewonnen.

 © Emma Hartvig
WOMAN: 

Ihr Körper ist Ihr Instrument. Wie groß war der Druck, schnellstmöglich wieder performen zu müssen?

Rebecca Horner: 

Der Druck ist immer da, aber heute gehe ich anders damit um und lasse mich gar nicht darauf ein. Es hat mich jahrelang fertiggemacht, in Form sein zu müssen – das begleitet dich jeden Tag. Dazu kommt der Konkurrenzdruck von den Jungen, die nach vorn wollen. Mittlerweile nehme ich das gelassen und finde es auch schön, wenn die Next Generation ambitioniert ist. Ich weiß, was ich kann und was ich möchte. Und ich habe aufgehört, Sachen zu wollen, die andere viel besser können. Ich fokussiere mich auf meine Stärken.

WOMAN: 

Was gibt Ihnen der Tanz, was nichts anderes im Leben Ihnen geben kann? Was fehlt Ihnen, wenn Sie nicht auf der Bühne stehen?

Rebecca Horner: 

Es fühlt sich an, wie wenn ein Teil von mir abhandenkommt. Ich spüre dabei Freiheit. Ein ähnliches Gefühl habe ich, wenn ich ein gutes Buch lese, da bin ich im Moment auch total frei und vergesse alles um mich herum. Aber Tanzen ist mein Ventil, meine Art, mich auszudrücken. Bei der dritten Schwangerschaft haben mich viele Kolleg:innen gefragt, ob ich danach überhaupt noch zurückkomme – für mich hat sich die Frage nie gestellt. Dieser Beruf ist mir so wichtig, es ist keine 08/15-Aufgabe, die man mal eben aufgibt. Aber seit ich in den Niederlanden war, ist mir klar geworden, dass es für mich keine Rolle spielt, ob ich auf der großen Bühne stehe oder mich in einem kleineren Rahmen ausdrücken kann, wo das Publikum viel näher an einem dran ist. Und ich habe wahnsinnig viel Spaß dabei und freue mich über jede Anfrage, die kommt.

Über die Autor:innen

Bild von Melanie Zingl

Melanie Zingl

Chefredakteurin für Gesellschaft, Karriere & Kultur

Melanie ist seit 2007 bei der Verlagsgruppe News (VGN) tätig. 2016 wurde sie Leitende Redakteurin und 2018 Stellvertretende Chefredakteurin. Seit 2024 ist Melanie Chefredakteurin bei WOMAN. Ihr erklärtes Ziel: "Make the World more WOMAN. Weil wir davon überzeugt sind, dass eine gleichberechtigte Welt eine bessere ist."

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