
Von der Aktrice zur Regisseurin: Stilikone Zoë Kravitz im WOMAN-Talk über Ängste, vermeintliche Männerdomänen und Beauty-Vorlieben.
Beobachtet man Zoë Kravitz am Red Carpet oder bei Interviews, wirkt sie stets bodenständig und ultralässig. Eigentlich kein Wunder, kennt sie als Tochter von Schauspielerin Lisa Bonet und Rock’n’Roll-Ikone Lenny Kravitz den Hollywoodtrubel schließlich seit Kindheitstagen. Wer die Schauspielerin allerdings weder als „Tochter von“ noch aus Blockbustern wie „The Batman“ oder „Phantastische Tierwesen“ kennt, hat sie als Beauty- und Fashion-Inspiration vermutlich in den sozialen Medien oder in ihrer Rolle als Markenbotschafterin von YSL Beauty gesehen. Seit 2017 arbeitet die 36-Jährige mit dem französischen Traditionshaus erfolgreich zusammen, etwa als Gesicht des Duftklassikers „Black Opium“. Im Zuge der Neulancierung „Glitter“ erreichte WOMAN sie am Telefon zum exklusiven Interview.
Es braucht viel Übung, um sich und seinen Weg zu finden – und sich nicht davon abbringen zu lassen.
„Black Opium Glitter“, die Neuinterpretation der Parfum-Ikone, ist ein süß-sinnlicher Marshmallow-Duft. Was verbinden Sie mit diesem Geruch?
Mir kommen dabei direkt all die Lagerfeuer in den Sinn, die wir in meiner Kindheit veranstaltet haben. Ich liebe süße Noten wie Marshmallow oder Vanille generell, da man beim Riechen immer das Verlangen hat, diese zu verschlingen – sowohl das Parfum als auch den oder die Trägerin. (lacht)
Können Sie sich auf Make-up- und Fashion-Lieblinge auch so schnell festlegen wie auf Ihren liebsten Duft?
Ich mag es zu experimentieren und meine unterschiedlichen Stimmungen mit meinem Erscheinungsbild auszudrücken. Am liebsten trage ich aber trotzdem Looks, die mühelos wirken und so, als wären sie einfach ein Teil von mir.
Wie erzielt man einen solchen Look?
Es ist wichtig, für sich selbst herauszufinden, welche Merkmale man betonen möchte und welche Farben einem gut stehen. Dann kann selbst eine rote Lippe oder ein Smokey Eye natürlich wirken.
Sie strahlen ein enormes Selbstbewusstsein aus. Ist es schwierig, dieses vor den Augen der Welt zu entwickeln?
Wenn man sich mit seinem Make-up oder in einem Outfit wohlfühlt, wirkt man ohnehin stark und selbstsicher. Ich war aber natürlich nicht immer schon so selbstbewusst wie heute. Und auch jetzt noch fühle ich mich nicht täglich so. Es braucht viel Übung, um sich und seinen Weg zu finden – und sich nicht davon abbringen zu lassen.
Während Sie Ihren Beauty-Styles treu bleiben, scheinen Sie sich beruflich gerne neu zu erfinden – jüngst etwa mit Ihrem Regiedebüt „Blink Twice“. Sind Sie je nervös, wenn Sie vor neuen Herausforderungen stehen?
Ja, immer, denn ich bin eigentlich eine ängstliche Person. Allerdings finde ich, dass Angst im beruflichen Kontext etwas Gutes ist, da sie beweist, dass einem eine neue Aufgabe wichtig ist. Und wenn man die Angst schließlich überwindet, ist das ein großartiges Gefühl.
Ist es schwer für Sie, negatives Feedback zu Ihrem Debüt zu lesen?
Der Sinn von Kunst besteht nicht darin, Komplimente zu erhalten. Doch natürlich ist es hart, schlechte Kritiken zu lesen. Ich kann aber zum Glück ganz gut differenzieren, ob jemand einfach grundlos schlecht bewertet oder ob man konstruktive Kritik geben möchte, die mir weiterhelfen und mich pushen soll – das schätze ich!
Die Regie-Branche ist immer noch stark von Männern dominiert. Hatten Sie je das Gefühl, dass man Ihre Kompetenz aufgrund Ihres Geschlechts infrage gestellt hat?
Definitiv und ständig. Ich musste deshalb lernen, zu mir, meinem Können und meinen Ideen zu stehen. Man begibt sich damit nämlich in eine sehr verletzliche Position. Uns Frauen werden Fehler schwerer nachgesehen als Männern.
Wie schaffen Sie es, in derart stressigen Phasen die Ruhe zu bewahren?
Mir ist es wichtig, genug Zeit allein zu verbringen. Selbst wenn es nur einige Minuten morgens oder abends sind. Dabei versuche ich dann Überstimulation durch Telefon und Co. zu vermeiden und mich stattdessen wirklich mit mir und meinen Bedürfnissen zu beschäftigen.
Spielen Düfte dabei auch eine Rolle?
Kerzen und Räucherstäbchen mit erdig-süßen Düften helfen mir sehr dabei, mich zu entspannen. Sie vermitteln mir ein Gefühl von Geborgenheit, vermutlich auch, weil sie mich an meine Mutter erinnern, deren Haus ebenfalls immer wunderbar danach duftet.